Präventionsportal Startseite_

Schnellnavigation (wichtige Links und Hilfe)

Inhalt der Seite

Mobbing & Burnout >> Burnout >> Infos rund um Burnout

Warum kommt es zu Burnout?

"Globalisierung", "Standortsicherung", "Wettbewerbsfähigkeit", "Unternehmensverlagerung", "Dienstleistungsgesellschaft" sind Schlagworte einer Entwicklung, die zunehmend höhere Arbeitsleistungen, größere Flexibilität bei steigendem Zeit- und Termindruck für die Beschäftigten mit sich bringen. Diese Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt mit seinen unsicheren Arbeitsverhältnissen in Kombination mit schlechtem Betriebsklima und mangelnder Unterstützung durch Vorgesetzte führen zu enormen psychosozialen Belastungen, die sich zu Burnout verdichten können.

Bislang gibt es über die Entstehung von Burnout kein einheitliches Bild. Obwohl noch viele Fragen zum komplexen Burnout-Phänomen offen stehen, besteht in Forschung und Praxis jedoch weit gehend Einigkeit darüber, dass es bei Burnout eine dynamische Wechselwirkung zwischen der Arbeitssituation und persönlichen Dispositionen gibt. Bei Burnout sind beide Faktoren beteiligt: die äußerlichen Belastungen und die inneren seelischen, geistigen und körperlichen Ressourcen eines Individuums.

Es gibt gefährdete Menschen in einer gefährdenden Arbeitswelt.

Burnoutrisiko: Arbeitswelt

Burnout kann auftreten, wenn

  • ... Beschäftigte tagtäglich "Emotions"- bzw. "Beziehungsarbeit" leisten müssen. Das sind nicht nur Angehörige der so genannten "helfenden Berufe" wie Pflegepersonal, Ärzte, Lehrer, Sozialarbeiter, Therapeuten etc., sondern dies gilt auch für Beschäftigte in Berufen, die ständig "mit Menschen zu tun haben".  Das Berufsspektrum erstreckt sich hier von Anwälten über Beschäftigte in CallCentern bis hin zu Erzieher/innen. Der Faktor "Gefühlsarbeit" ist neueren Studien zufolge (Zapf 1999) wesentlich am Ausbrennen beteiligt.
  • ... Beschäftigte ständig überfordert und überlastet werden – sei es durch ständige Personalknappheit, durch wachsenden Zeit- und Verantwortungsdruck, durch ein hohes Arbeitspensum, durch wachsende Arbeitsanforderungen bei fehlender Qualifizierung. Unter dieser Daueranspannung und Dauerbelastung leiden bei allem persönlichen Engagement auf die Dauer Kreativität, Motivation, Leistungsvermögen und Zufriedenheit. Vor allem die Kombination hohes Arbeitspensum, enges Zeitfenster und hohe Verantwortung fördern die Entwicklung von Burnout
  • ... Menschen sich bei der Arbeit kaum entfalten und einbringen können, weil sie nur geringe Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten und auch kaum Arbeitsinhalte und Arbeitsabläufe zeitlich kontrollieren können. Frustrationen, nachlassendes Engagement und abnehmende Motivation sind dort  vorprogrammiert, wo Beschäftigte nur wenig mit entscheiden, mit bestimmen und mit verantworten dürfen. Burnout hat dort keine Chance, wo die Förderung der Beschäftigten – und damit des Betriebs – Chefsache ist.
  • ... wenn Menschen zu  wenig Anerkennung, zu wenig Lob erhalten. Anerkennung und Würdigung der Arbeitsleistungen erhöht nicht nur Arbeitszufriedenheit und Selbstwertgefühl der Beschäftigten. Wenig Bestätigung von außen und geringe Selbstzufriedenheit bei der Arbeit fördern die innere Kündigung und damit auch ein Entstehen von Burnout.
  • ... Kommunikationskultur und  Betriebsklima zu wünschen übrig lassen, weil Team- und Mitarbeiterorientierung für die Führung keine Rolle spielt. Eine gute betriebliche Kommunikation auf allen Ebenen (im Kollegenkreis und zu Vorgesetzten)  mindert Burnoutrisiken erheblich. In einem angespannten Klima wagen es burnoutgefährdete Beschäftigte kaum, Arbeitsüberlastung zu thematisieren und Verbesserungsvorschläge zu machen.

Berufliche und psychosoziale Folgen
Auf die genannten Faktoren reagieren nicht alle Menschen gleich. Dennoch gehören sie zu den meistgenannten Charakteristika, die im Zusammenhang mit Burnout von Betroffenen geäußert werden.
Langsam aber stetig wird der geliebte Beruf zur Bürde, positive Gefühle gegenüber Klienten, Patienten, Kunden verkehren sich ins Negative. Teamarbeit wird zum Ärgernis, Gespräche mit Vorgesetzten zur Belastung. Eine bleierne chronische Erschöpfung und Müdigkeit macht die Arbeit zur Hölle.
Burnout macht auch vor dem Privatleben nicht Halt. Erholung und Entspannung ist im Burnoutverlauf auch im Privatleben immer weniger möglich. Nicht selten fällt in diese Zeit auch ein wachsender Alkohol- und Tablettenkonsum, um ein wenig "Ruhe und Erleichterung" zu finden.

Burnoutrisiko: Persönlichkeit

Den typischen "Ausbrenner-Typ" gibt es nicht. Burnout wird individuell erlebt und äußert sich auch verschieden. Folgende Verhaltensmuster und Persönlichkeitsmerkmale können Burnout aber begünstigen:

Burnoutgefährdet sind

  • ... "Perfektionisten" mit hohen beruflichen Erwartungen und hochgesteckten Zielen. Was nicht hundertprozentig gelingt, gilt bereits als Versagen. Sowohl Erfolge als auch Misserfolge spornen zu noch größerem Arbeitseinsatz an, Überstunden sind an der Tagesordnung, Arbeit und Arbeitsprobleme werden mit nach Hause genommen.
  • ... Personen, die dazu neigen, sich bei Misserfolgen wie bei Erfolgen selbst abzuwerten. Diese negative Selbsteinschätzung macht es ihnen schwer, auf andere zuzugehen und um Unterstützung zu bitten.
  • ... leistungs- und erfolgsorientierte Personen, die sich zuviel "aufbürden", um das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Diese Persönlichkeitsstruktur – häufig die Kehrseite von Idealismus und Helferorientierung – macht anfällig für Enttäuschungen, wenn "Erfolge" bzw. "Aufopferung" nicht genügend gewürdigt werden.
  • ... Menschen, die ständig die Anerkennung von anderen brauchen, da sie sich selbst nicht anerkennen. Es fällt ihnen schwer, anderen – und vor allem sich selbst – Grenzen zu setzen, Nein zu sagen. Überforderung und Überlastung sind die Folge.
  • ... Menschen, die sich für alles verantwortlich fühlen und helfen wollen. Diese Bestrebungen ermöglichen das Gefühl und den Wunsch, zugleich gut und mächtig zu sein. Ernüchterung und Gefühle des Ausgebranntseins treten dann ein, wenn diese Bestrebungen nicht erfüllt werden.
  • .... Personen, die ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse nicht ernst nehmen und nicht auf körperliche Warnsignale hören. Arbeit ist Lebensinhalt und hat eine einzigartige überhöhte Bedeutung, das "gesunde" Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben ist aus dem Lot geraten.
  • ... Menschen, mit hohem Einsatzwillen, Idealismus und großen  beruflichen Erwartungen, die vom nüchternen Arbeitsalltag ohne angemessene Anerkennung und Würdigung bitter enttäuscht sind. Resignation, Entmutigung und Widerwillen können hier den Weg in das beschleunigen.
  • ... Personen, die ihre Fähigkeiten und Qualifikationen überschätzen und den beruflichen Anforderungen durch Ehrgeiz gerecht werden wollen. Dieses überstarke Streben nach Erfolg und Ruhm kann in eine Burnouterkrankung führen.

Alle aufgeführten Merkmale und Neigungen sind den allermeisten Menschen in irgendeiner, wenngleich abgewandelten Form vertraut. Ein einfacher Zusammenhang mit Burnout lässt sich nicht herleiten. In zugespitzter Form und in Kombination mit bestimmten äußerlichen Faktoren können sie jedoch krank machen und sich zu Burnout verdichten.

Mobbing & Burnout

ver.di Bildungswerk Hessen e. V.
Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77
60329 Frankfurt
Fon: 069/25 69-19 04
ver.di Hessen

 

Sprunglinks